Kapitel 10: Eine weitere Woche
In der folgenden Nacht hatte David erneut Alpträume und entsprechend schlecht geschlafen. Wieder sah er Alexa, doch jedes Mal, wenn er sich ihr näherte, fing sie an zu schreien, brach zusammen und starb qualvoll. David wachte darüber auf.
Die neue Woche begann ruhig. David sollte sich für weitere Fragen seitens der ATU zur Verfügung halten und das tat er. Er blieb in Los Angeles und nutzte die Zeit um etwas Sport zu treiben und die Nachmittage auf dem ehemaligen Golfplatz zu verbringen, wo sich auf einen Hügel setzte und die Grünfläche überblickte. Dort versank er jedes Mal in Gedanken, Gedanken über alle mögliche, die Zukunft, die Vergangenheit. Er lies sich von seinen Gefühlen durchströmen.
Am Dienstagabend fing er an seine Heimreise vorzubereiten. Er buchte für Sonntagabend ein Flug nach Boston. Der Flug würde ca. fünfeinhalb Stunden dauern. Unter Beachtung der Zeitverschiebung würde er Montag morgens gegen Sieben Uhr in Boston sein. Bis er ein Hotel gefunden hatte, würde es in den Vormittag gehen. Danach würde er erst einmal einige Erledigungen machen müssen, denn er wollte seine Yacht so schnell wie möglich zu Wasser lassen.
Der Abend verging und es brach eine weitere schlechte Nacht herein. Abgesehen von ungewöhnlich starkem Regen holten ihn erneut die Alpträume ein und David verspürte, als er wach im Bett saß, urplötzlich Wut und Zorn. Er fühlte, wie sich sein Körper anspannte. Er wollte Rache, Rache für Alexa. Das war verständlich, aber seine Rache hatte er bereits ausgelebt. Rod Quint, der Mörder von Alexa, war tot. David hatte ihn getötet. Und das beunruhigte ihn. Eigentlich sollte er das Gefühl nicht haben. Er wollte es nicht haben. Er rang mit sich und biss die Zähne aufeinander. Seine Augen wurden feucht. Über den Versuch sich zu konzentrieren und die negativen Gefühle zu unterdrücken schlief er nach einiger Zeit endlich wieder ein.
Mittwoch Vormittag besuchte David erneut Alexas Grab. Dieses Mal hatte er Rosen mitgebracht. Er stellte das Auto auf dem Parkplätze am Südwesten des Friedhofs ab und ging den ganzen Weg bis zu Alexas Grab zu Fuß. Über den Weg, zwischen den Gräbern entlang kam er Alexas Grab näher und erreichte es, nachdem er den Gehweg verlassen hatte.
Von Trauer erfüllt legte er die Rosen an ihrem Grab nieder. Der Boden war noch immer etwas feucht von dem nächtlichen Regen. David stand da und sah auf das Grab hinab. Kleine weiße Wolken, wie Watte zogen hoch über seinem Kopf hinweg und die Zeit schien sich zu verlangsamen. Wie lange er da stand, ohne sich zu bewegen, vermochte er nicht zu sagen. Ein Blick auf seine Uhr offenbarte ihm, das er bereits über eine Stunde einfach da stand und auf das Grab starrte, in Gedanken an Alexa versunken. Ohne speziellen Grund, eher aus einer Eingebung heraus, blickte er auf und sah zur Seite. Dabei drehte er sich um seine eigene Achse und sah sich um. Dort, gute 50 Meter seitlich hinter ihm stand ein Mann an einem Baum, direkt am asphaltierten Weg. David war sich nicht ganz sicher, aber es kam ihm so vor, als würde der Mann in seine Richtung gucken. David drehte sich um und blickte hinter sich.. Niemand war dort. Nichts Betrachtenswertes konnte David erfassen. Als er sich wieder nach vorne wandte, war der Fremde verschwunden. David ging auf direktem Wege zum asphaltierten Weg und veränderte damit den Blickwinkel zum Baum, wo der Mann stand, aber da war nun niemand mehr, auch nicht hinter dem Baum. David wusste nicht, was er davon halten sollte. Ein ungutes Gefühl machte sich in seiner Magengegend breit. Wurde er verfolgt, oder war alles reiner Zufall. Was wollte dieser Mann? Wollte er überhaupt irgendetwas von ihm? Er hatte ihn ja nicht mal richtig erkannt. David machte sich auf den Weg zurück zu seinem Auto und hielt seine Augen besonders wachsam geöffnet für alles, was sich um ihn herum bewegte. Doch Fehlanzeige, er bemerkte nichts Auffälliges. Der Mann war spurlos verschwunden.
David lies die Sache auf sich beruhen. Was hätte er auch tun können? Mit einem letzten Blick über seien Schulter stieg er ins Auto ein.
Am Abend saßen Susan, Matt und David am Tisch und aßen gemeinsam zu Abend. Es gab einen großen Salat, leichte Kost. Während Matt sich einen Nachschlag genehmigte, ergriff er das Wort.
„Wir haben mittlerweile 60 Prozent der Daten von den Systemen aus Nebraska wiederhergestellt. Offensichtlich fehlen uns nach wie vor Schlüsselangeben. Wir haben ohne Ende Daten, können uns aber keinen Reim darauf machen. Teilweise handelt es sich um Fragmente von Koordinaten, dann scheinen andere Stücke wieder Teile irgendwelcher Formeln zu sein. Bisher haben wir keine Ahnung in welche Richtung das Ganze überhaupt geht.“
„Ich kann da nicht halfen.“ sagte David. „Ich weiß es auch nicht. Die haben mir nie erzählt worum es ihnen geht. Es hieß immer nur Lincoln 399.“
Matt musterte David. Dann reichte ihm Susan den Brotkorb.
„Möchtest du noch ne Scheibe?“ fragte sie ihn.
„Scone will antworten und er übt mächtig viel Druck aus.“ sagte Matt. David nahm eine Scheibe von dem Brot und belegte sie mit Käse.
„Warum? Geht es hier um die Steuergelder für meine Befreiung?“
„Ganz ehrlich, ich weiß es nicht.“ antworte Matt schulterzuckend. „Keine Ahnung, was den Mann antreibt.“
„Aber er stellt Fragen, David.“ sagte nun Susan. „Fragen auf die wir keine Antworten haben.“
„Warum hast du keine Verletzungen? Was ist Lincoln 399? Er glaubt, das es mehr ist, als eine verschlüsselte Adresse.“ Susan sah David erwartungsvoll an.
Davids Blick wanderte von Susan zu Matt und wieder zurück. „Ihr braucht mich gar nicht so anzugucken. Ich habe die Antworten nicht. Keine Ahnung.“
„Wir haben nie Fragen gestellt, David. Das weißt du. Aber irgendetwas ist mit dir. Und es gerät außer Kontrolle. Es werden einfach zu viele Fragen gestellt.“ erklärte Matt mit ernster und besorgt klingender Stimme.
„Wir wollen dir nichts.“
„Ja,“ beschwichtigte David, „ich weiß das doch. Ich bin euch sehr dankbar für eure Hilfe. Aber es gibt Dinge, die kann ich euch nicht erklären, nur soviel, es hat definitiv nichts mit den Ereignissen in Nebraska zu tun.“
„Du bist gefoltert worden, hast aber keinerlei Spuren davon zurückbehalten. Wie sollen wir das erklären? Hast du Selbstheilungskräfte oder so was?“ fragte Susan.
„So was in der Art. Matt du hast damals am Van Nuys Flughafen mitbekommen was mit mir passiert ist.
„Was meinst du? Deine Superheldenaktion? Ich weiß nur nicht, was mehr Superheldenaktion war, die Tatsache, dass du die bösen Jungs fast im Alleingang fertig gemacht hast, oder die Tatsache, das du erschossen wurdest und dann einfach wieder aufgestanden bist.“
David schwieg.
"Wir können nicht mehr umkehren. Wir haben schon zu viele Berichte….angepasst.“ sagte Matt, „Ich hoffe nur Scone forscht nicht weiter nach.“
„Matt, ich hatte meine Gründe, warum ich damals gegangen bin, warum ich aufgehört habe. Und einer war natürlich, dass ich so etwas nicht erklären kann.“
„Du machst mich echt noch fertig.“ sagte Matt, der sich mit einer Hand durchs Gesicht rieb. „Du weißt schon wie paradox das ist, oder? Du könntest so viel erreichen. Du könntest richtig gefährliche Einsätze durchführen, immer mit dem Wissen, dass du dich selbst heilen kannst, solltest du verletzt werden.“
„Weist du denn, was die mit mir machen, wenn die davon erfahren, hm? Hast du eine Vorstellung davon, was die Regierung machen würde?“ fragte David.
„Experimente.“ sagte Susan leise.
„Ja im besten Fall.“ sagte David. „Darum gehe ich auf Abstand. Also bitte tut was ihr könnt, damit Scone aufhört hinter mir her zu schnüffeln. Ihr beiden könnt mich natürlich fragen, wenn’s was neues gibt und ihr meine Meinung wissen wollt. Ich möchte nur offiziell nichts mit der Untersuchung zu tun haben.“ Matt und Susan sahen einander an. Dann sagte Susan:
„Wir tun was wir können.“
Die Nacht auf den Donnerstag verlief ruhiger. David hatte keinen Alptraum, so dass er die Nacht durch schlief. Entsprechend ausgeruht fühlte er sich am nächsten Morgen.
Den Vormittag verbrachte David mit laufen. Am späten Mittag begann er damit, im Internet nach einem geeigneten Ort für seine Yacht in Boston zu suchen. Dabei kamen für ihn drei Möglichkeiten in die engere Wahl. Da gab es einmal den Yachthafen am Constitution Plaza im Nordon von Boston, im Stadtteil Charlestown. Besagter Platz mit seiner Rauten-Form wirkte wie eine Halbinsel im Hafen. Während die Nordwestseite mit dem Land verbunden war befand sich im Nordosten der abgesperrte Anlegeplatz der USS Constitution. Die USS Constitution, eine Fregatte der United States Navy, war das älteste noch im Dienst stehende Kriegsschiff der Welt. Im Jahr 2000 führte sie eine Segelregatta mit 120 Schiffen anlässlich des Bostoner Segelfestes an. Mittlerweile diente sie als Staatsschiff für offizielle Anlässe und Empfänge. David hatte sie vor 4 Jahren einmal besichtigt.
Die Südwest- und Südostseite des Constitution Plaza waren mit Anlegestellen für Boote und Yachten umgeben. Zumindest die Nordwestspitze erlaubte einen Blick auf die USS Constitution.
David suchte weitere Anlegestellen als Alternative zum Constitution Plaza und wurde ein Stück weiter nordöstlich fündig. Dort befanden sich zwei weitere Hafenanlagen. Sie gehörtem zum Old Charlestown Navy Yard, und beherbergten nun auch einen Yachtclub.
Auf seiner Suche nach einen geeigneten Anlegeplatz stieß David auch weiter zwei Möglichkeiten, lies sie aber nun außer acht, da sie ihm von vornherein nicht zusagten.
Damit blieben die beiden Möglichkeiten in Charlestown. Wenn er erst in Boston ist, würde er sich die Gegebenheiten vor Ort noch mal genauer anschauen. Fürs Erste hatte er eine engere Auswahl getroffen.
Den Nachmittag nutzte David noch einmal dafür laufen zu gehen. Er wollte wider richtig in Form kommen. Außerdem tat es ihm gut sich zu bewegen. Schließlich hatte er die letzten zwei Jahre nicht sehr viel Bewegung gehabt. Er hatte Glück und das Wetter blieb schön.
Mittlerweile zeichnete sich ab, was er erhoffte, nämlich das kein weiteres Gespräch mit der ATU stattfinden würde. Und so kam es auch.
Er hatte also den Freitag für sich und beschloss Santa Monica zu besuchen um den Tag am Strand zu verbringen. Am späten Morgen machte er sich auf den Weg. Es schien erneut ein traumhafter Tag zu werden. Keine Wolken weit und breit. Die Sonne trieb die Temperaturen schon früh in die Höhe und David war dankbar, das der Wagen keine Klimaanlage hatte, den die hätte er bestimmt eingeschaltet. So aber fuhr er mit runter gekurbelten Fenstern und genoss den Fahrtwind. Der Pomona Freeway brachte ihn nach Westen und zuerst ins zentrale Los Angeles. Nach sieben oder acht Kilometern wechselte er auf den von Norden kommenden Santa Monica Freeway und folgte ihm nach westen zur Küste. Jetzt hatte er knappe 30 Kilometer vor sich, die er zügig zurücklegte.
Der Freeway führte ihn nördlich an den Ladera Heights und südlich an Beverly Hills, Westwood und West Los Angeles vorbei und brachte ihn direkt nach Santa Monica. Einen Kilometer vom Wasser entfernt wurde aus dem Feeway der Pacific Coast Highway der gute 400 Meter vor dem Meer einen Schlenker nach Norden machte, nur um dann zur Palisades Beach Road zu werden. Diese verlief über fast zweieinhalb Kilometer am Strand entlang, um schließlich wieder zum Pacific Coast Highway zu werden. Aber soweit fuhr David nicht in den Norden. Er nahm die Linksabbiegerspur und bog nach einem halben Kilometer auf einen Parkplatz auf der Strandseite. Er parkte am nördlichen Ende des Parkplatzes, der zu dieser Uhrzeit bereits halb gefüllt war. David war froh, dass er sich für den weniger vollen Strand entschieden hatte. Der Santa Monica Beach ist zweigeteilt. Geteilt wird er von dem Santa Monica Pier, der sich auf der Höhe des Pacific Coast Highway an der Stelle befindet, wo der Highway seinen Knick nach Norden macht. Der südliche Strand ist deutlich schöner und deutlich voller. Daher sind dort auch deutlich mehr Rettungsschwimmer vorhanden. Dies macht sich auch durch die stärkere Frequentierung der Fahrzeuge und Strandhütten bemerkbar.
David hingen war zufrieden, dass es nicht so voll war. Er schnappte sich seinen Rucksack und marschierte durch den Sand. Noch konnte er wunderbar Richtung Wasser marschieren. Zur Mittagszeit würde das ohne Schuhe anders aussehen. Der Sand wurde durch die Sonnen ordentlich aufgeheizt und vom Parkplatz bis zum Wasser waren es gute 250 Meter.
David ließ sich 40 Meter vom Wasser entfernt auf sein mitgebrachtes Badetuch nieder. Mittlerweile war es 10.45 Uhr. Er überlegte sich, dass er zur Mittagszeit, wenn es am wärmsten oder viel mehr am heißesten sein würde, das kühle Nass in Form des pazifischen Ozeans aufsuchen würde.
Als er einfach so im Sand saß, genoss das Meeresrauschen, aber er vermisste schmerzlich eine weibliche Begleitung, mit der er diesen Anblick und dieses Gefühl der Ruhe teilen konnte. Dieser Gedanke beschäftigte ihn noch eine Weile, selbst als er sich im Sand hinlegte und ausstreckte. Über diesen Gedanken brütend döste David ein.
Im Halbschlaf hörte er Stimmen und öffnete verdutzt die Augen.
„Ginny?“ fragte er leise vor sich hin und richtete sich auf. Ein paar Meter entfernt ging ein Pärchen an ihm vorbei zum Wasser. Zum Glück hörten sie David nicht. Es war nicht Ginny, aber David war verwundert warum er ihre Stimme heraushörte, denn als er dem Gespräch weiterlauschte wurde die Stimme immer fremder und David stellte seine Neugierde ab.
Der Strand hatte sich nun deutlich gefüllt, obwohl es noch immer eine überschaubare Anzahl an Menschen war. David stand auf und marschierte zum Wasser. Es ließ sich die Fluten des Pazifiks um die Füße spülen und musste einsehen, dass es vielleicht noch etwas zu früh im Jahr war um baden zu gehen. Außer einer Person, ein Stück weit entfernt, traute sich niemand ins Wasser. Er konnte es niemanden verdenken. Die gefühlte Wassertemperatur lag deutlich unter der Realen. Nach zwei Minuten hatten sich seine Füße an die Temperatur gewöhnt. Ohne großartig nachzudenken rannte David los, mitten ins Wasser hinein und tauchte unter.
Im ersten Augenblick hatte er das Gefühl, als würde er unmittelbar zu einem m Eisblock werden. Aber er bewegte sich, schwamm und zog sich eine Stück vom Strand weg. Dieser Kampf gegen das kalte Wasser tat gut. Dann lies der Schock nach. Aber das Wasser wurde nicht wärmer. Es fühlte sich nach wie vor eiskalt an, nur schmerzte es nicht mehr so. David spürte seine Lebensgeister und fühlte sich ein Stück freier. Dann schwamm er zurück zum Strand und entschwand der Kälter.
Susan und Matt waren pünktlich zu Hause und freuten sich erneut auf ein freies Wochenende, das am Samstag leider, durch einen Notfall, unterbrochen wurde. Zum Glück erwies sich die Situation als weniger gravierend als angenommen, so dass sie den Sonntag wirklich frei hatten.
David verbrachte seinen letzten Tag in Los Angeles gemeinsam mit seinem beiden Freunden.
Mittags aßen sie in einem schönen Restaurant in Downtown. Den Tisch hatten sie sich hart erkämpfen müssen und schließlich hatten sie mehr Glück als erwartet. Obwohl das Essen gut war, waren sich die Drei einig, dass es einfach kein gemütliches Essen war. Das Restaurant war völlig überfüllt und vor den Türen draußen warteten bereits die nächsten Gäste auf Einlass. David konnte es kaum glauben, dass sie über eine Menschenschlange und den Einlass diskutierten. Die ganze Situation war einfach zu surreal. Nach dem Restaurantbesuch liefen sie noch etwas durch Downtown. Nach dem sie zum Auto zurückgekehrt waren machten sie sich noch auf den Weg zum nahe gelegenen Echo Park. Die Parkanlage lag nordwestlich von Downtown Los Angeles und umschließt einen ca. 500 Meter langen See, den Echo Park Lake. Er beinhaltet eine kleine Insel im Norden, die nur über eine Brücke zu erreichen war. Zu dritt umrundeten sie den See, in dem sie den Weg um den See herum folgten. Der Weg selbst war gesäumt von schmalen Grünlagen und Bäumen, überwiegend Palmen. Auf eine kleine Bootsfahrt verzichteten sie allerdings. Als sie schließlich zum Ausgangspunkt zurückgekehrt waren, wurde es auch allmählich Zeit zum Flughafen aufzubrechen. David hatte seine wenigen Sachen bereits am Morgen gepackt und sie den Tag über im Kofferraum zurückgelassen.
Der Weg zum Flughafen führte sie über den Hollywood Freeway zurück nach Downtown und von dort aus südlich über den Harbor Freeway bis zum Glen M Anderson Freeway und von dort aus die bekannte Strecke in Richtung Westen zum Los Angeles International Airport. Mit einer deutlich tiefer stehenden Sonne vor sich näherten sich die Drei dem Flughafen.
„Lasst mich einfach an Terminal 4 raus.“ sagte David, als sie vom Freeway runter und auf den Zubringer zum Verkehrsleitsystem der Flughafens fuhren.
„Nein, nein“ antwortete Matt sofort. „Wir passen auf, dass du in dieses Flugzeug steigst. Nichts das du wieder für so lange Zeit verschwindest.“
David sah ihn missmutig an. „Als ob das meine Schuld war.“ Gab er zurück.
„Wir schmeißen dich nicht einfach raus. Wir kommen mit rein. Du hast eh noch Zeit.“ wandte nun Susan ein und David war überstimmt.
„Wie ihr meint, aber wundert euch dann nicht über die hohe Parkplatzgebühr.“
Matt steuerte den Wagen in Parkhaus 4, welches in unmittelbarer Nähe zu Terminal 4 lag. Sein Flug ging von dort aus. Das wusste er schon von Ginnys Flug. Er hatte ja den gleichen gebucht, nur ein paar Tage später.
Nachdem David sein Gepäck am Check-in Schalter abgegeben hatte - er hatte nur eine kleine Reisetasche - setzten sich die drei in ein kleines Cafe und plauderten noch eine Weile. David versicherte mehrfach, dass sie sich keine Sorgen zu machen brauchten. Er würde schon zurechtkommen. Außerdem brauche er etwas Zeit für sich, um sich über vieles klar zu werden.
Und so verging wie im Fluge eine Stunde. Allmählich wurde es Zeit für David, da er noch durch die Sicherheitskontrolle musste und dort dauert es im Zweifelsfall immer länger, gerade in der heutigen Zeit.
Matt bezahlte schnell die Rechnung für drei Tassen Kaffee und alle Drei machten sich auf den Weg zur Sicherheitskontrolle.
Wie befürchtet gab es mehrere lange Menschenreihen, die alle durch die Sicherheitskontrolle wollten.
„Da muss ich mich wohl anstellen.“ sagte David mit guter Miene zum bösen Spiel.
„So siehts aus.“ antworte Matt und grinste breit.“
„Ich wünsche dir einen guten Flug. Pass auf dich auf, David.“ begann schließlich Susan sich zu verabschieden und umarmte ihn.
„Keine Sorge, das mache ich.“ sagte er.
„Matt“ ergänzte er an ihn gewandt.
„David.“ antworte Matt und ergänzte „Alles Gute und denk dran, wir haben einen Beobachter für dich in der Stadt. Ginny wird mir schon genau sagen, was du in Boston so treibst.“ Er lächelte.
„Das ist das schöne an nem Boot. Es muss nicht in einem bestimmten Hafen bleiben.“ antworte David trocken. Dann lächelte er auch und reihte sich in die Schlange der Wartenden ein. Matt und Susan machten sich auf den Heimweg.
„Phh, Beobachter, das fehlte mir gerade noch. Ich brauch doch keinen Aufpasser.“ dachte sich David und stellte sich Ginny vor, wie ihn ständig besuchte und sie sich zufällig treffen würden. Lächerlich, aber dennoch - irgendwie war es nicht die schlechteste Idee. Nach 25 Minuten hatte er endlich die Sicherheitskontrolle passiert, suchte seine abgelegten Gegenstände wieder zusammen und verschwand in Richtung Gate. Dort angekommen stellte er fest, dass das Boarding noch mindestens 30 Minuten auf sich warten lies. Also holte er sich noch ein bisschen Lesestoff für den Flug.
Mit leichter Verspätung konnte er die Maschine, eine Boeing 757-200, betreten. Die 757-200, ein Kurz- und Mittelstrecken Flugzeug bietet über eine Länge von rund 47 Metern bis zu 230 Passagieren platz. David machte e sich an seinem Fensterplatz in der 11ten Reihe gemütlich. Einige Minuten später waren endlich alle Passagiere an Bord und der Flug konnte beginnen. Mit einem lauten Aufheulen der Triebwerke startete das Flugzeug von Piste 6 R in östliche Richtung. Auf der linken Seite war Downtown Los Angeles zu sehen, wie es immer kleiner wurde. Mit einer erreichten Reisegeschwindigkeit von 0,80 MACH, in 36.000 Fuß Höhe, flog David in sein altes und zugleich ein völlig neues Leben.